2022
FSK: 12  Länge: 102 min
Altersempfehlung: ab 16 Jahren
Schulunterricht: ab 11. Klasse

Buch Fatih Akin, Hark Bohm Darsteller Diane Kruger, Denis Moschitto, Numan Acar, Samia Chancrin, Johannes Krisch, Ulrich Tukur u.a. Verleih Warner Bros. Pictures Germany


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Aus dem Nichts

von Fatih Akin (Deutschland, Frankreich/2017/102')
Mit ihrem türkischstämmigen Mann Nuri und dem kleinen Sohn Rocco führt Katja ein glückliches Familienleben. Geheiratet wurde im Gefängnis, wo Nuri wegen kleinerer Drogendelikte einsaß. Mit einem Steuer- und Übersetzungsbüro auf dem Hamburger Kiez gelang ihm ein Neuanfang. Als Katja durch einen Bombenanschlag Mann und Sohn verliert und damit auch ihr Leben zerstört wird, hat sie nur eine Erklärung: "Das waren Nazis!" Doch die Polizei glaubt ihr nicht, vermutet stattdessen türkisch-kurdische Konflikte oder angebliche kriminelle Geschäfte ihres Mannes als Motiv eines Racheakts. Schließlich wird dann doch ein junges Neonazi-Paar gefasst und vor Gericht gestellt. Die Aussicht auf lückenlose Aufklärung und eine Bestrafung der Täter hält Katja, durch den grausamen Verlust und die demütigenden Untersuchungen innerlich zerbrochen, am Leben. Doch der Prozess endet wider Erwarten mit einem Freispruch. In ihrer Verzweiflung fasst Katja den Entschluss, das Recht in die eigene Hand zu nehmen.

Mit den zentralen Handlungselementen seines Thrillers legt Regisseur Fatih Akin eindeutige Spuren: „Aus dem Nichts“ ist eine Verarbeitung der Mordserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU), wenn auch in stark fiktionalisierter Form. Als Filmemacher sieht Fatih Akin seine Aufgabe darin, den Ohnmachtsgefühlen, dem Schmerz und der Wut, subjektiv Ausdruck zu verleihen. Vor diesem Hintergrund sollte man den letzten Akt des Films verstehen, in dem Katja zu einem in einem Rechtsstaat verbotenen Mittel greift: der Selbstjustiz. Anders als in den meisten Filmen des umstrittenen Genres „Selbstjustiz-Thriller“ liegt in ihrer Tat kein Triumph; die Inszenierung erfolgt ohne reißerische Effekte. Die Trauer bleibt. Der Film ist eine bittere Anklage einer Gesellschaft, in der Neonazis zehn Jahre lang unentdeckt morden konnten. Die Wahl seiner künstlerischen Mittel kann dabei hinterfragt werden. Doch die entscheidende Frage stellt er selbst, mit seinem klug aufgebauten Film, und sie richtet sich direkt an die deutsche Mehrheitsgesellschaft: Was wäre, wenn der rechtsextreme Terror euch selbst träfe? Würdet ihr die Opfer verdächtigen?

Thema: Rechtsextremismus, Rassismus, Terrorismus, Familie, Liebe, Opfer, Trauer/Trauerarbeit, Recht, Gerechtigkeit, Selbstjustiz, Individuum (und Gesellschaft), Schuld (und Sühne)
Unterrichtsfächer: Deutsch, Politik, Sozialkunde, Gemeinschaftskunde, Ethik, Religion, Geschichte

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